Katholische Kuratie Neufarn
Pfarrer Janusz

Unser Pfarrer

Grußwort von Pfarrer Dr. Dr. Janusz Surzykiewicz, Pfarradministrator


Liebe Pfarrgemeinde,


Kuratie, das sich aus dem lateinischen „curare“ ableitet, bedeutet „sich sorgen“. Seit Jahrhunderten haben sich die Menschen in unserer Kuratie Neufarn umeinander gekümmert und sich für unsere Gemeinschaft engagiert. Hierfür empfinde ich sehr viel Dankbarkeit und Stolz, denn es ist nicht selbstverständlich, dass so eine kleine Gemeinde so etwas Wunderbares im Glauben und Tun schafft. Und das Ganze geschah, obwohl wir uns seit Jahren bewusst sind, dass wir langfristig unsere Selbständigkeit zugunsten einer größeren Gemeindestruktur aufgeben werden müssen. Auch, wenn Veränderungen nun auf uns zukommen werden, ist es mir ein sehr wichtiges, persönliches Anliegen, diese besondere, gemeinsame Lebensqualität in unseren Ortschaften Weißenfeld, Parsdorf, Hergolding und Neufarn auch in der Zukunft weiter zu vertiefen und zu bewahren.

 

Situation und Entstehung
In allen deutschen Diözesen sind derzeit Umstrukturierungen im Gange, die darauf hinauslaufen, viele Gemeinden zu einer Zentralpfarrei (sog. Pfarrverbände und/oder Pfarreien-gemeinschaften) zu vereinen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zumeist ist die Hauptursache der Priestermangel. Daneben spielen kirchliche und gesellschaftliche Bedingungen eine wichtige Rolle, wie z.B. sinkende Zahlen sonntäglicher Gottesdienstbesucher wie auch vielfach ein nachlassendes Engagement der katholischen Christen in den Gemeinden. Finanzielle Engpässe sind meist die Folge. Hinzu kommt eine größere Mobilität der Menschen, die das enge Zusammenleben einer Gemeinde vor Ort oftmals lockert.

Und so beschlossen die Diözesen, dass es wohl klug und weitsichtig sei, Gemeinden, die sich in einem überschaubaren Umkreis befinden, zu einer zentralen Pfarrei zusammenzuführen. Das ist mitunter ein sehr „schmerzhafter“ Prozess, insbesondere, wenn es sich – wie bei unserer Kuratie Neufarn – um ländliche Gebiete handelt, die über sehr viele Jahrzehnte, oft sogar über Jahrhunderte hinweg, eigenständig organisiert waren. Deshalb haben wir diesen Prozess in unserer Kuratie so lange es möglich war herausgezögert.
Schon damals, als ich im September 1997 in die Kuratie kam, standen erste Überlegungen im Raum, uns in eine größere Struktur einzubinden. So sollte ich für eine einjährige Übergangslösung die Kuratie übernehmen. Daraus wurden nun 17 wunderschöne Jahre. Nun allerdings steht fest, dass sich etwas verändern wird. Durch verschiedene Entwicklungen in den letzten Jahren wurden Dynamiken erzeugt, die die vor Jahren geplante Fusion mit einer anderen Pfarrei schließlich enorm beschleunigt haben.
Bereits in den vergangenen 10 Jahren mussten wir mehrfach Stundenkürzungen für die Pfarrgemeindearbeit beim hauptamtlichen Personal verkraften. So haben wir 10 Gemeindestunden für die Arbeit mit Familien, Kinder und Jugendlichen verloren, als Hr. Helmut Zenz in den Orden der Salesianer eintrat. Dies konnte nur aufgefangen werden durch den unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz unserer Gemeinde-Mitglieder und durch die Arbeit unserer Sekretärinnen.

Im Jahr 2007 wurde, einhergehend mit meiner Berufung zum Professor an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, meine Pfarrstelle auf 30% verkürzt. Um dennoch das Gemeindeleben aufrechterhalten zu können, habe ich die Gemeindeseelsorge, soweit es mir möglich war, auch in meiner Freizeit sehr gerne und intensiv weitergeführt. Dankenswerterweise wurde uns auch Herr Valdas Kuzulis mit 50% zugeteilt.

Unterschwellig jedoch implizierten diese Veränderungen eine Kürzung unserer Personalressourcen um 20% (meine Stelle mit 30% + Stelle von Valdas Kuzulis mit 50%). So kam es letztlich zu einer enormen Überbelastung der bereits angespannten personellen Situation. Dennoch konnten wir, dank des außergewöhnlich tatkräftigen und professionellen Engagements unserer ehrenamtlichen Gemeindemitglieder in sämtlichen Bereichen wie auch unserer Frau Böhm im Pfarrbüro, das blühende Gemeindeleben aufrechterhalten und wertvolle Werke leisten.
Ende Juli 2013 jedoch wurde Herr Kuzulis ohne Vorankündigung seitens der Diözesanleitung aufgrund seiner universitären Studienbilanz von uns abberufen. Zugleich wurde mir von der Diözese mitgeteilt, dass die 50%-Stelle von Herr Kuzulis nicht mehr neu besetzt würde. Für uns bedeutete dies eine totale Personalnot, die wir an Sonn- und Feiertagen dank des Aushilfsdiensts von Herrn David Luis notdürftig auffangen konnten.
Das Erzbistum München-Freising hingegen nutzte diese Gelegenheit, um die geplanten Auflösungen kleiner Gemeinden nun auch in unserem Gemeindebereich durchzuführen.

 

Not ist ein schlechter Ratgeber – wir haben uns aber schon etwas darauf vorbereitet
Bei der Gemeindebefragung vor einigen Jahren – der damals erste offizielle Schritt in Richtung Gemeindeauflösung – hatte sich ein Großteil der Gemeindemitglieder für die Fusion mit dem Pfarrverband Vaterstetten-Baldham ausgesprochen. Dies wurde vor allem als eine Angleichung an gemeindepolitische Strukturen verstanden. Doch gab es auch gegenteilige Stimmen, u.a. da das vorstädtische Dekanat München-Trudering dem eher ländlich geprägten Lebenstenor des Dekanats Ebersberg entgegensteht und nicht unbedingt den Bedürfnissen aller entspricht.
Heute zeigt sich jedoch, dass diese Entscheidung für uns glücklicherweise keine schlechte war, denn der Großgemeindepfarrer von Vaterstetten und Baldham, Herr Pfarrer Thomas Kratochvil, ist gleichzeitig Dekan unseres zukünftigen Dekanats und schon jetzt sehr positiv mit uns verbunden. So hat er sich, als feststand, dass wir den Auflösungsprozess nicht mehr aufhalten können, sehr wohlwollend den Sorgen um unsere Kuratie angenommen.
Seit Februar dieses Jahres dürfen wir uns daher über seine Unterstützung wie auch die seiner Mitbrüder
(Pfr. Arkadiusz Czempik, Kpl. Martin Siodmok) in der Gemeindeseelsorge freuen. Sie halten für uns mittwochs Gottesdienste und stehen während der Woche auch für die Sakramentenversorgung sowie für Requien zur Verfügung.

Von struktureller Seite hat ein erstes Gespräch zwischen Herren Pfarrer Kratochvil, einem Vertreter der Erzdiözese München-Freising und mir gezeigt, dass die Interessen unserer Kuratie weiterhin ernst genommen werden. So wurden schon erste Gespräche zwischen Herrn Pfarrer Kratochvil und den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, der Kirchenpfleger wie auch den Sekretärinnen beider Pfarreien (d.h. unserer Kuratie und der Pfarrei zum Kostenbaren Blut Christi) geführt. Demnächst streben wir an, auch die Pfarrgemeinderäte beider Pfarreien näher zusammen-zubringen, um das Seelsorgeangebot im Bereich der religiös-spirituellen Begleitung wie auch des soziokulturellen Engagements künftig noch ausweiten zu können.  Auf diese Art und Weise wollen wir bis September die Gemeinde auf die Übernahme der Leitung von Herrn Pfarrer Kratochvil vorbereiten.

Wenn es dann soweit ist, wird das Eigentum der drei Kirchen wie auch die Gelder der Kirchenstiftung selbstverständlich die jeweiligen Ortskirchen erhalten bleiben. Wir werden dafür Sorge tragen, dass das Vermögen in Zusammenarbeit mit Herrn Pfarrer Kratochvil in unserem Interesse sachgerecht verwaltet wird. Auch der Kindergarten als wichtiger Lebensraum für die Gemeinde und unsere Familien wird zunächst weiter in eigener Regie geleitet werden können. 

Besonders freut es mich, dass sich Herr Pfarrer Krachtovil positiv und offen für mein Bleiben als Aushilfspriester in der Kuratie ausgesprochen hat. Auf diese Art und Weise darf ich weiterhin mit Ihnen allen, wenn auch in kleinerem Format, leben und arbeiten dürfen. Ich bin in unserer Gemeinde heimisch geworden und den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sehr verbunden. Bis jetzt gab es keinen Ort in meinem Leben, auch nicht mein Geburtsort, in dem ich länger lebte als in Neufarn. Diese Bindung an Euch habe ich nie als Dienst wahrgenommen und verstanden, vielmehr als leidenschaftliches Miteinander in der Suche nach Sinn und Tiefe des Glaubens im Alltagsleben.

 

Die Zusammenlegung bringt viel Positives mit sich, auch wenn sie zunächst schmerzt…
Auch, wenn die Zusammenlegung unserer Kuratie zunächst Unsicherheiten hervorruft, wird sie für uns alle auch Positives mitbringen. So werden wir stark an religiöser und spiritueller Lebensqualität gewinnen, da die Seelsorger aus Vaterstetten uns im Alltag fördern und begleiten werden. Auch bringt die größere Gemeinschaft eine Vielfalt und Bereicherung. So sollen wir auch unser bis jetzt so lebendiges religiöses, sozial-kulturelles und bürgerschaftlich engagiertes Miteinander vertrauensvoll in den großen Verbund einbringen. 

Eine Seelsorge, die sich an den Menschen orientiert, nimmt auch ihre Lebensräume in den Blick, die die meist engen Pfarreigrenzen weit übersteigen. So bieten sich beispielsweise Pfarreiengemeinschaften besonders für Gemeinden an, die kommunalpolitisch bereits eine Einheit darstellen und das ist auch bei uns der Fall. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Gegebenheit, dass durch den Schulverband sowie den Verwaltungs- und gemeindepolitischen Verbund bereits unter den Erwachsenen, den Kindern und Jugendlichen Verbindungen bestehen, die auch pastoral genutzt werden können.

Es ist allen Gemeindemitgliedern herzlich geraten, die ersten Kontakte zur (zukünftigen) Schwestergemeinde schon vor der strukturellen Notwendigkeit zur Zusammenarbeit zu suchen. Dies ist nicht nur Aufgabe des Pfarrers, sondern aller, die in der Gemeinde in Gremien und Gruppen Verantwortung tragen. So lassen sich ohne Druck Profile der betroffenen Gemeinden erstellen sowie örtliche Eigenständigkeiten und Möglichkeiten der Zusammenarbeit klären.

Hoffen wir sehr, dass diese Wandlung, auch wenn sie teilweise etwas vorzeitig erzwungen wurde, viel Positives mit sich bringt und anfängliche Unsicherheiten schnell ausgleicht. Ich möchte mich meinerseits dafür einsetzen. Auch hoffe ich, dass sich unsere Gremien wie auch jeder von uns individuell – ob jung oder alt – für die gemeinsame Zukunft einsetzen werden und so weiterhin unsere Gemeinschaft leben. Ganz besonders hoffe ich, dass sich alle, die bislang im Ehrenamt engagiert waren, auch weiterhin hier einbringen möchten. Sie alle verdienen unsere besondere Beachtung in den wichtigen Leistungs- und Dienstfunktionen, die Sie ehrenamtlich in den Gemeinden (PGR, Kirchenverwaltung, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit usw.) wahrnehmen. Ohne Sie wäre das Bild von einer christlichen Gemeinschaft, die den Menschen nahe ist, schon längst nicht mehr haltbar.
So wie es uns bereits vor Jahren gelungen ist, aus Neufarn, Weißenfeld, Parsdorf und Hergolding einen harmonischen Lebensraum zu entwickeln, der ganz besondere spirituelle und menschliche Begegnungsräume für uns alle eröffnet hat, wird uns auch jetzt im größeren Rahmen das Gleiche gelingen.
Ich möchte mich ganz herzlich bei ALLEN für das schöpferische und freundschaftliche Miteinander bedanken und freue mich auf die weitere gemeinsame Zukunft.

 

So wie die Fastenzeit sinnbildlich eine Zeit der Entsagung und des Engagements für den Nächsten ist, um dann in der Auferstehung Christi die Freude des neuen Lebens genießen zu dürfen, wollen wir hoffen, dass sich die Umbruchszeit in unserer Kuratie schließlich als eine Bereicherung für uns alle erweise und neue Wege und Perspektiven des Miteinanders eröffne. So wie der Auferstandene seine Jünger auf dem Emmaus-Weg begleitete, Schriften deutete, ihnen das Leben zu verstehen half und ihnen in der Eucharistie seine Nähe und Stärkung vermittelte, möge er auch auf unserem neuen Weg bei uns bleiben und uns stärken.

 

Mit herzlichen Grüßen,

Euer Pfarrer Janusz

 

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